Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs des Faches Darstellen und Gestalten begegnen dem jüdischen Zeitzeugen Herbert Rubinstein
- Sophie-Scholl-Gesamtschule
- 5. März
- 3 Min. Lesezeit
„Ich möchte leben. Ich möchte lachen. Ich möchte frei sein und atmen und schreien. Schau, das Leben ist so bunt.“ S. Meerbaum
Ein eindrucksvoller Theaterbesuch, ein vorbereitender Workshop an unserer Schule – und ein persönliches Gespräch, das noch lange nachwirkt: Schülerinnen und Schüler der DuG Kurse von Frau Hessler und Frau Grundei haben das Stück Blindekuh mit dem Tod nach der gleichnamigen Graphic Novel im Düsseldorfer Schauspielhaus begeistert gesehen und im Anschluss den jüdischen Zeitzeugen Herbert Rubinstein in einem Gespräch kennengelernt, dessen Lebensgeschichte im Stück eine zentrale Rolle spielt. „Besonders bewundernswert war, dass Herr Rubinstein persönlich anwesend war und über seine Vergangenheit gesprochen hat. Das ist keineswegs selbstverständlich, da viele jüdische Zeitzeugen – verständlicherweise – nicht gern über diese schmerzhaften Erfahrungen sprechen“ stellt Paul fest.
Bereits im Vorfeld hatte ein Workshop in der Schule den Theaterbesuch begleitet. In Gesprächen, Arbeitsphasen und mit Blick auf historische Hintergründe wurden Fragen gesammelt, Begriffe geklärt und Erwartungen formuliert. Wie fühlt es sich eigentlich an, mit geschlossenen Augen auf eine Person zuzugehen und ihre Reaktion nur zu hören? So gingen die Kurse gut vorbereitet ins Theater und nahmen die Inszenierung umso aufmerksamer und mit großer Anteilnahme auf.
Worum geht es in dem Stück? Was hier auf der Bühne über das Leben und Leiden jüdischer Menschen erspielt und berichtet wird, sind nicht Autofiktionen, sondern historisch belegte Tatsachen. Ausgangspunkt ist die Begegnung zweier Menschen in Czernowitz: Miriam („Mimi“) trifft nach Jahrzehnten ihren Kindheitsfreund Herbert (Rubinstein) wieder. Aus anfänglichem Zögern und tastenden Erinnerungen entwickelt sich ein gemeinsamer Rückblick auf Kindheit und Jugend – und auf die Verfolgung jüdischer Familien während der Zeit des Nationalsozialismus. Das Stück erzählt – basierend auf historisch belegten Lebenswegen – die Schicksale mehrerer Überlebender, führt durch Ghetto, Angst, Flucht und Verlust und zeigt zugleich, wie sehr diese Erfahrungen bis in die Gegenwart hineinwirken.
Besonders bewegend war das anschließende Kennenlernen von Herbert Rubinstein. Dass ein Mensch, dessen Geschichte auf der Bühne thematisiert wird, im Anschluss persönlich von seinem Leben berichtet und Fragen beantwortet, machte den Theaterbesuch für viele zu einem einmaligen Erlebnis. Im Gespräch wurde deutlich, wie wichtig Erinnern, Zuhören und Weitererzählen sind – gerade in einer Zeit, in der antisemitische Haltungen und Verschwörungsmythen wieder sichtbarer werden.
Herbert Rubinstein zitierte die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer mit ihrem berühmten Ausspruch: „Es gibt kein christliches Blut, kein muslimisches Blut, kein jüdisches Blut – es gibt nur menschliches Blut […] Seid Menschen.“
Für unsere Schülerinnen und Schüler und auch für uns war diese Kombination aus Vorbereitung, künstlerischer Darstellung und persönlicher Begegnung ein wichtiger Beitrag zur historisch-politischen Bildung – und ein starkes Zeichen für Menschlichkeit und Verantwortung. Das Stück wird weiterhin in Düsseldorf aufgeführt und ein Besuch lohnt sich sehr!
I. Grundei
„Es ist nicht leicht über diese schmerzhaften Erfahrungen zu sprechen“ - Über eine persönliche Begegnung eines DuG Schülers mit dem jüdischen Zeitzeugen Herbert Rubinstein
Ich fand die Begegnung mit dem Zeitzeugen Herbert Rubinstein sehr interessant – nicht nur wegen des Inhalts, sondern auch wegen der Art und Weise, wie er uns seine Erlebnisse geschildert hat. Besonders bewundernswert war, dass er persönlich anwesend war und über seine Vergangenheit gesprochen hat. Das ist keineswegs selbstverständlich, da viele jüdische Zeitzeugen – verständlicherweise – nicht gern über diese schmerzhaften Erfahrungen sprechen.
Herbert Rubinstein ist mittlerweile schon recht alt, und es beeindruckt mich sehr, was er in seinem Leben erreicht hat. Trotz all der schrecklichen Erlebnisse aus seiner Jugend ist er ein erfolgreicher und bewundernswerter Mensch geworden. Er hat uns auch daran erinnert, wie wichtig es ist, einander mit Respekt zu begegnen – unabhängig von Herkunft, Religion oder Kultur. Wir sollten Menschen nicht ausgrenzen, nur weil sie nicht in unser eigenes Weltbild oder unsere „Bubble“ passen.
Eine Geschichte, die er uns erzählt hat, ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Er berichtete, dass seine eigenen Kinder – als sie in der Grundschule waren – einmal von anderen Kindern umringt wurden. Die Mitschüler riefen dabei Dinge wie „heute vergasen wir Juden!“, vielleicht ohne überhaupt zu verstehen, was das bedeutet. Diese Szene zeigt sehr deutlich, wie unreflektiert und grausam Menschen – selbst Kinder – manchmal sein können, teils weil sie etwas nachplappern, das sie nicht begreifen. Später kamen auch seine Kinder zu Herbert Rubinstein und fragten, was dieses Wort eigentlich bedeutet. Sie hatten damals keine Ahnung von der Geschichte des Holocaust, ihrer Familie und dem Leid, das dahintersteckt.
Das Gespräch hat meine Überzeugung gestärkt, dass solche Geschichten weitererzählt werden müssen. Es ist wichtig, dass sie nicht in Vergessenheit geraten. Nur wenn wir uns erinnern und aus der Vergangenheit lernen, kann verhindert werden, dass sich so etwas Schreckliches wie der Holocaust jemals wiederholt. Wir und künftige Generationen sollten verstehen, was passiert ist – und warum es so wichtig ist, Menschlichkeit und Toleranz zu bewahren.
Der Text basiert auf einer Audioaufzeichnung von Paul S. nach dem Theaterbesuch des Stückes „Blinde Kuh mit dem Tod“ und einer Begegnung mit dem jüdischen Zeitzeugen Herbert Rubinstein, auf dessen Lebensgeschichte das Stück basiert. IG












